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„Wie Melodien zieht es mir_“ (Klaus Groth)

Zart   (Johannes Brahms)

Wie Melodien zieht es mir leise durch den Sinn, wie Frühlingsblumen blüht es und schwebt wie Duft dahin, und schwebt wie Duft dahin. Doch kommt das Wort und fasst es und führt es vor das Aug´, wie Nebelgrau erblasst es und schwindet wie ein Hauch, und schwindet wie ein Hauch. Und dennoch ruht im Reime verborgen wohl ein Duft, den mild aus stillem Keime ein feuchtes Auge ruft, den mild aus stillem Keime ein feuchtes, ein feuchtes Auge ruft.

„In stiller Nacht_“

1. In stiller Nacht, zur ersten Wacht, ein´Stimm´begunnt zu klagen, der nächt´ge Wind hat süss und lind zu mir den Klang getragen; von herbem Leid und Traurigkeit ist mir das Herz zerflossen, die Blümelein, mit Thränen rein hab´ich sie all´begossen.

2. Der schöne Mon will untergon, für Leid nicht mehr mag scheinen, die Sterne lan ihr Glitzen stahn, mit mir sie wollen weinen. Kein Vogelsang noch Freudenklang man höret in den Lüften, die wilden Thier´traur´n auch mit mir in Steinen und in Klüften.

Langsam (sotto voce)

Johannes Brahms

Sandmännchen

Die Blümelein schlafen schon längst im Mondenschein, sie nicken mit den Köpfen auf ihren Stengelein. Es rüttelt sich der Blüthenbaum, er säuselt wie im Traum: Schlafe, schlafe, schlaf´du mein Kindelein!

Die Vögelein sie sangen so süss im Sonnenschein, sie sind zur Ruh gegangen in ihre Nestchen klein. Das Heimchen in dem Aehrengrund, es thut allein sich kund: Schlafe, schlafe, schlaf´du mein Kindelein!

Sandmännchen kommt geschlichen und guckt durchs Fensterlein, ob irgend noch ein Liebchen nicht mag zu Bette sein. Und wo er nur ein Kindchen fand, streut er ihm in die Augen Sand. Schlafe, schlafe, schlaf´du mein Kindelein!

Sandmännchen aus dem Zimmer, es schläft mein Herzchen fein, es ist gar fest verschlossen schon sein Guckäugelein. Es leuchtet Morgen mir Willkomm das Äugelein so fromm! Schlafe, schlafe, schlaf´du mein Kindelein!

Andante, Johannes Brahms

„Schwesterlein-„

Schwesterlein, Schwesterlein, wann geh´n wir nach Haus?

„Morgen, wenn die Hahnen krähn, woll´n wir nach Hause gehn, Brüderlein, Brüderlein, dann geh´n wir nach Haus.“

Schwesterlein, Schwesterlein, wann geh´n wir nach Haus?

„Morgen, wenn der Tag anbricht, eh end´t die Freude nicht, Brüderlein, Brüderlein, dann geh´n wir nach Haus.“

Schwesterlein, Schwesterlein, wohl ist es Zeit.

„Mein Liebster tanzt mit mir, geh ich, tanzt er mit ihr, Brüderlein, Brüderlein, lass du mich heut.“

Schwesterlein, Schwesterlein, was bist du blass? Das macht der Morgenschein auf meinen Wängelein, Brüderlein, Brüderlein, die vom Thaue nass.

Schwesterlein, Schwesterlein, du wankest so matt? Suche die Kammerthür, suche mein Bettlein mir, Brüderlein. es wird fein unterm Rasen sein.“